Aktives Vorlesen
📖 Aktives Vorlesen – gemeinsam Geschichten entdecken
Vorlesen bedeutet weit mehr, als einem Kind eine Geschichte vorzulesen, während es zuhört. Beim aktiven Vorlesenwird aus dem Zuhören ein gemeinsames Erlebnis: Kinder dürfen beobachten, erzählen, Fragen stellen, Vermutungen äußern und ihre eigenen Gedanken und Erfahrungen mit der Geschichte verbinden.
Dabei geht es nicht darum, eine Geschichte ständig zu unterbrechen oder aus dem Vorlesen eine „Lerneinheit“ zu machen. Im Mittelpunkt stehen weiterhin die Freude an der Geschichte, Nähe und gemeinsame Zeit. Kleine Gesprächsanlässe können jedoch dabei helfen, Kinder stärker einzubeziehen und ihnen Raum für ihre eigenen Gedanken zu geben.
❤️ Gefühle gemeinsam entdecken
Geschichten schaffen einen geschützten Raum, um über Gefühle zu sprechen. Manchmal ist es für ein Kind einfacher, zunächst darüber zu reden, warum Kira traurig, unsicher, mutig oder glücklich ist, als unmittelbar über die eigenen Gefühle zu sprechen.
Von dort kann sich ganz natürlich eine Verbindung zum Alltag entwickeln:
„Warst du auch schon einmal so aufgeregt?“
„Was hätte dir in dieser Situation geholfen?“
So kann eine Geschichte zum Gesprächsanlass werden, ohne dass das Kind das Gefühl bekommt, ausgefragt zu werden.
🎭 Geschichten dürfen lebendig werden
Unterschiedliche Stimmen, Gesichtsausdrücke und kleine Gesten machen das Vorlesen lebendig. Niemand muss dafür Schauspieler sein. 😉
Kinder dürfen ebenfalls mitmachen: ein Geräusch übernehmen, einen wiederkehrenden Satz sprechen oder überlegen, wie eine Figur wohl klingen könnte.
So werden sie vom Zuhörer zum Teil der Geschichte.
🧸 Aktives Vorlesen in der Kita
Auch in einer kleinen Gruppe funktioniert aktives Vorlesen sehr gut. Kinder können gemeinsam Bilder betrachten, Vermutungen äußern und unterschiedliche Sichtweisen kennenlernen.
Dabei muss nicht jedes Kind auf jede Frage antworten. Manche Kinder erzählen sofort, andere beobachten zunächst lieber. Beides darf seinen Platz haben.
Nach der Geschichte kann das Thema außerdem weitergeführt werden – beispielsweise durch Malen, Basteln, Rollenspiele oder ein gemeinsames Gespräch im Morgenkreis.
🐾 Noch ein bisschen weiterentdecken?
In unserer Kreativwerkstatt warten kostenlose Mal- und Bastelideen rund um Kira und ihre Freunde.
🐾 Kinder aktiv an der Geschichte beteiligen
Schon kleine Fragen können ein Gespräch entstehen lassen. Statt ausschließlich vorzulesen, könnt ihr zwischendurch gemeinsam überlegen:
„Was glaubst du, passiert als Nächstes?“
„Wie fühlt sich Kira gerade?“
„Warum könnte sie das gemacht haben?“
„Was würdest du an ihrer Stelle tun?“
„Kennst du so eine Situation auch?“
Dabei gibt es nicht unbedingt eine richtige oder falsche Antwort. Entscheidend ist, dass Kinder erzählen dürfen, was sie sehen, denken und fühlen.
Gerade jüngere Kinder brauchen dafür manchmal etwas Zeit. Eine kurze Pause nach einer Frage kann wichtiger sein als sofort eine Antwort zu bekommen.
👀 Bilder gehören zur Geschichte
Gerade bei Bilderbüchern muss nicht jede Seite sofort weitergeblättert werden. Gemeinsam lassen sich kleine Details entdecken:
Was fällt dir auf? Was macht Kira? Wie schauen die anderen Figuren? Was könnte dort gerade passieren?
Kinder können dabei Dinge entdecken, die Erwachsene zunächst übersehen. Und manchmal entwickelt sich aus einem einzigen Bild ein Gespräch, das viel spannender ist als die nächste Textseite.
🏡 Die Geschichte mit in den Alltag nehmen
Aktives Vorlesen endet nicht unbedingt mit der letzten Seite.
Vielleicht begegnet euch einige Tage später eine Situation, die an die Geschichte erinnert:
„Weißt du noch, wie Kira sich das getraut hat?“
Solche kleinen Verbindungen helfen Kindern, Geschichten mit eigenen Erfahrungen zu verknüpfen. Und genau dadurch können Themen wie Freundschaft, Angst, Mut, Vertrauen oder Selbstvertrauen über das Buch hinaus weiterleben.
❤️ Das Wichtigste: Es darf einfach schöne gemeinsame Zeit sein
Nicht jede Seite braucht eine Frage und nicht aus jeder Geschichte muss ein pädagogisches Projekt entstehen.
Manchmal möchte ein Kind einfach nur zuhören, kuscheln und wissen, wie die Geschichte weitergeht.
Auch das ist vollkommen in Ordnung.
Aktives Vorlesen bedeutet vor allem, gemeinsam aufmerksam bei einer Geschichte zu sein, dem Kind Raum zu geben und neugierig auf seine Gedanken zu bleiben.

